
|
Alle Asylsuchenden nehmen grundsätzlich eine äußerst ungewisse und gefahrvolle Reise in die Zukunft auf sich. Meist warten sie in Aufnahmezentren lange auf die Zulassung zum Asylverfahren. Da Österreich die Menschenrechtskonvention der UNO unterschrieb, hoffen die Geflüchteten, hier in Österreich Asyl zu erhalten. Inzwischen sind in Vorarlberg etwa 4000 ehemalige Asylsuchende im Arbeitsmarkt integriert.
Da ihr Schicksal viele Menschen bewegt, ersuchte die Pfarrbriefredaktion der Pfarre Dafins den Bereichsleiter der Flüchtlingshilfe der Caritas, Herrn Bernd Klisch in Feldkirch, um die Erlaubnis, vom Schicksal eines Asylsuchenden berichten zu dürfen. In Zwischenwasser gibt es drei Objekte, in denen Asylsuchende wohnen. Es ergab sich die Gelegenheit, in Muntlix in einem vom Land Vorarlberg angemieteten und von der Caritas betreuten Haus mit dem Namen „Naomi“ minderjährigen Jugendlichen mit Fluchterfahrung zu begegnen. Die Leiterin des Hauses, Frau Dagmar Welte, erklärte sich in sehr entgegenkommender Weise bereit, vom Leben im Haus zu berichten. Auch ein junger Somalier stimmte gerne der Bitte zu, von seinen Erfahrungen im Haus Naomi zu erzählen.
Mit Zustimmung der Pfarrbriefredaktion der Pfarre Dafins veröffentlichen wir ihren Artikel über das Haus Naomi in Muntlix in leicht gekürzter Fassung und bedanken uns dafür herzlich.
Das Haus „Naomi“ in Muntlix
Die Caritas gab dem Haus in Muntlix den biblischen Namen „Naomi“ (auch: Noomi). Naomi ist eine Frau, die nach dem Tod ihres Mannes anlässlich einer Hungersnot in Bethlehem in das Grünland von Moab auswanderte, um dort zu überleben. Nach der Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse in Bethlehem kehrte sie mit Ruth, einer ihrer Schwiegertöchter, dorthin zurück. Ruth wurde in der Folge die Urgroßmutter des Königs David, des Ahnherrn Jesu (Ruth 4,21). Der Name des Hauses „Naomi“ steht für die erzwungene Flucht aus der angestammten Heimat und für die Hoffnung auf eine sichere und ungefährdete Zukunft.
Die Leiterin des Hauses, Frau Dagmar Welte, erklärte sich in sehr entgegenkommender Weise bereit, vom Leben im Haus zu berichten: „Das Haus Naomi wurde im Frühjahr 2023 adaptiert, mit einer ansprechenden Feier eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben. Das Haus Naomi ist für 20 Jugendliche angelegt, die in Doppelbettzimmern untergebracht sind. Das Alter der Jugendlichen liegt zwischen 15 und 18 Jahren. Bei der Erreichung des 18. Lebensjahres erfolgt der Umzug in ein Caritasquartier für Erwachsene oder in eine private Wohnung. Es kann auch zu einer Verlängerung des Aufenthalts im Haus kommen. Die Jugendlichen kamen am 15. März 2023 abends mit einem Bus nach Muntlix. Zuvor waren sie in den Erstaufnahmezentren Villach, Traiskirchen und Talheim untergebracht. Sie stammen aus Somalia, aus Syrien und aus Palästina, sind jedoch in Syrien aufgewachsen.
Die Begleitung der Jugendlichen erfolgt rund um die Uhr durch sieben Tage während der Woche durch pädagogisch ausgebildetes Personal. Die Umgangssprache ist, soweit dies (schon) möglich ist Deutsch, sonst Englisch, mit einer Übersetzungs-App oder, wenn es nicht anders geht, mit Händen und Füßen. Untereinander verständigen sich die jungen Hausbewohner aus so verschiedenen Ländern englisch, arabisch und deutsch.
Die Jugendlichen besuchen Deutschkurse in der Volkshochschule in Götzis oder jene der Caritas, die an mehreren Orten des Landes abgehalten werden. Vier der Jugendlichen besuchen die Schule in Muntlix. Das Zertifikat A2 in Deutsch ermöglicht den einjährigen Kurs zur Erreichung des Pflichtschulabschlusses. Diesen Kurs besuchen ab Herbst einige Jugendliche unseres Hauses, was uns sehr freut. Dann ist für sie eine weiterführende Schule oder der Beginn einer Lehre möglich. Die Pädagogen begleiten neben der täglichen Betreuung die jungen Menschen bei Behördengängen und Vorsprachen bei Ämtern.
Frau Dagmar Welte und Pfarrprovisor Felix Zortea mit drei Bewohnern des Hauses Naomi, in der Mitte Mohammed Abdirahman.
Die Verpflegung geschieht mittags durch die Hauswirtschafterin. Ab 16 bis 21 Uhr ist es den jugendlichen Bewohnern in einer eigens dafür eingerichteten Küche selbst möglich, in Kleingruppen ein für sie passendes Nachtessen vorzubereiten. Die Lebensmittel werden ihnen dazu vom Haus zur Verfügung gestellt. Der Tagesablauf ist für alle Hausbewohner strukturiert. Nach dem Frühstück fahren einige zum Jugendprojekt „Startbahn“ der Caritas in Feldkirch, wo sie in einer Werkstätte arbeiten und ein wenig Taschengeld verdienen können. Andere besuchen am Vormittag die Schule oder Deutschkurse. Zudem wird zu Putzdiensten im Haus und zur Mithilfe in der Küche eingeteilt.
Die Freizeit verbringen die Jugendlichen mit der Erledigung der Übungen, die vom Sprachkurs verlangt werden. Zum anderen stehen ihnen im Haus verschiedene Freizeitangebote wie Tisch-Fußball und ähnliches zur Verfügung. Sie engagieren sich bei verschiedenen Fußballvereinen. So spielt einer in Rankweil, zwei spielen in Feldkirch und drei am Kumma (Koblach). Manche besuchen einen Schwimmkurs. Gerne wird von den Jugendlichen die OJAB (Offene Jugendarbeit) in Dornbirn aufgesucht. Die Fahrten mit den Öffis zu den Kursen und zu den anderen Angeboten bestreiten sie selbst mit dem Taschengeld, das sie monatlich erhalten.
Das Haus Naomi bemüht sich, dass die jungen Menschen, soweit dies möglich ist, am Gemeindeleben in Zwischenwasser teilnehmen. So übernahmen sie am Freiwilligentag der Gemeinde, am 21. April, verschiedene Arbeiten. Im vergangenen Jahr erlebten einige das Dorffest, von dem sie begeistert zurückkamen. Die Gemeinde Zwischenwasser initiierte gemeinsam mit der Caritas das Projekt „Flüchtlinge(n) helfen“. Hilfsbedürftige Bürger können dabei um die Mithilfe von Asylsuchenden bei kleineren Arbeiten ansuchen.
Kontaktadresse der Caritas: Team Bildung & Beschäftigung Schlossgraben, 6800 Feldkirch flh.beschaeftigung@caritas.at, T: 05522 2001790
Den jungen unbegleiteten Menschen mit Fluchterfahrung beizustehen und ihnen in ihrer schwierigen Situation zu helfen, ist eine herausfordernde Aufgabe, die aber eine große Genugtuung bereitet. Es ist dies ein Teil der Verwirklichung der Menschenrechte auf den Schutz des Lebens, auf Bildung und des Rechtes auf Arbeit. Es braucht das beherzte Engagement vieler, um dieses Menschenrecht wenigstens in einer friedlichen Ecke unserer Welt zu verwirklichen.“
Mohamed Abdirahman mit Pfarrprovis Felix Zortea
Der junge Somalier Mohamed Abdirahman, der schon sehr gut Deutsch spricht, erklärte sich in freundlicher Weise bereit, ein wenig von seinen Erfahrungen im Haus Naomi zu erzählen: „Seit der Eröffnung des Hauses im März 2023 bin ich hier. Ich fühle mich hier in dieser großen Gemeinschaft von jungen Leuten wohl. Ich unterhalte mich mit meinen Landsleuten natürlich in meiner Muttersprache Somali. Mit den anderen Bewohnern rede ich Englisch oder Deutsch. Englisch lernte ich bereits in meiner Heimat. Ich kann auch etwas Arabisch, was mir die Konversation mit anderen Jugendlichen im Haus erleichtert. Ich besuchte in der Volkshochschule Götzis einen Deutschkurs und konnte bereits mit Erfolg das Zertifikat A2 erreichen. Das erlaubt mir, im Herbst ebenfalls in Götzis den Kurs für den Pflichtschulabschluss zu absolvieren.
Die Freizeit gestalte ich mit den anderen Jugendlichen im Haus. Abends kochen wir in kleinen Gruppen einfache Speisen, die wir aus unserer Heimat kennen. Von der Küche werden uns dazu Reis, Hühnerfleisch, Spaghetti, Nudeln aller Art, Bohnen, Gemüse und Obst zur Verfügung gestellt. Manches Mal gelingen uns leckere Pizzas. Beim gemeinsamen Kochen gibt es manches zu reden und oftmals auch etwas zu lachen. Wir erleben im Haus Naomi eine angenehme Gemeinschaft und ein sehr hilfreiches Team. Die Pädagogen helfen uns, wenn wir Fragen oder Probleme haben. Wir können uns immer an sie wenden. Ich bin sehr dankbar und froh, dass ich hier im Haus Naomi eine gute, wertschätzende Aufnahme fand. Ich hoffe, dass dieser Aufenthalt ein guter Start für meine Zukunft bedeutet.“
„ÖSTERREICH KLAA KLADAN QURUX BADAN“ - ÖSTERREICH IST EIN SCHÖNES LAND - Mohamed Abdirahman
Soweit es uns im Rahmen dieses Berichts zusteht, ist dem Land Vorarlberg ein großes Kompliment auszusprechen. Es kümmert sich im Auftrag der Republik Österreich um Menschen, die aus ihrer Heimat flüchteten und in Österreich sichere Aufnahme erhofften und fanden. Ebenso leistet die Caritas der Diözese Feldkirch mit ihren verschiedenen Teams eine großartige humanitäre Hilfe. Dieses vorbildliche Engagement entspricht dem biblischen Auftrag: „Er (Gott) liebt die Fremden und gibt ihnen Nahrung und Kleidung – auch ihr sollt‘ die Fremden lieben, denn ihr seid Fremde in Ägypten gewesen.“ (Dtn. 10,18,19)
|